Erfolg ist relativ & das Offensichtliche kann erstaunlich sein

Wir sind sehr schlecht im Beurteilen unseres eigenen Schaffens:

Vor einigen Jahren durfte ich einen Vortrag beim Freelancer-Meetup in Wien über eines meiner Webprojekte – ein Laufsport-Portal – halten. Die Seite wurde damals monatlich von  50.000 Leuten besucht und brachte mir einige tausend Euro Werbeeinnahmen. Trotzdem war ich nicht mit ihr zufrieden, vor allem, wenn ich mich mit meinen Mitbewerbern verglichen habe: 

Diese erreichten 500.000 oder noch mehr Besucher pro Monat, hatten etliche Mitarbeiter, die rund um die Uhr an der Verbesserung der jeweiligen Seiten arbeiteten und Einnahmen, von denen ich nur träumen konnte.

“Wer bin ich überhaupt, dass ich darüber rede, wie man ein erfolgreiches Webprojekt aufbaut?” dachte ich mir.

Ich war daher sehr überrascht, als nach dem Vortrag ein Zuhörer zu mir kam und sagte: “Wow, ich wusste nicht, dass es noch möglich ist, eine so erfolgreiche Webseite aufzubauen. Das war ein irrsinnig inspirierender Vortrag.”

Was ich damals nicht verstand: Für uns Menschen ist Erfolg etwas Relatives. Außerdem sind diejenigen Sachen, die für uns normal und alltäglich sind, für andere Mitmenschen oft erstaunlich.

Solange wir beispielsweise einem monatlichen Gehaltsschecks hinterherlaufen, bewundern wir Leute, die es geschafft haben, eine Millionen zu verdienen. 

Doch einmal angenommen, du schaffst es, Millionär zu werden. Wirst du darüber glücklich sein? Vermutlich weitaus weniger als du es dir erhofft hattest. Denn nun kennst du Leute, die 10 Millionen Euro schwer sind. Diese schauen wiederum auf die Superreichen, mit mehr als 100 Millionen Euro Vermögen, diese auf die Milliardäre und so geht es weiter bis hin zu Jeff Bezos. Und ob dieser am Ende wirklich zufrieden mit seinem Vermögen ist, konnte ich ihn noch nicht fragen.

Das was wir in unserem Leben erreichen, ist für uns normal und in der Nachbetrachtung erscheint es oft nicht mehr als allzu große Leistung. Oft denken wir eher daran, wie viel schneller wir das alles erreichen hätten können, wie viel größer unser Momentum wäre, wenn wir nur etwas härter und effizienter gearbeitet hätten.

So verschwendete ich beim Vortrag keinen Gedanken daran, dass 50.000 Besucher auf meiner Webseite eigentlich eine tolle Sachen waren, vielmehr quälte mich die Vorstellung keine 100.000 oder 500.000 Besucher auf der Webseite begrüßen zu können. Ich wusste den Erfolg nicht zu schätzen und ließ mich so von meinem Projekt frustrieren.

Offensichtlich für dich, erstaunlich für andere

Das ist auch ein Problem von vielen Künstlern. Die Werke von anderen überraschen sie, geben ihnen neue Sichtweisen und Erkenntnisse. Im Vergleich dazu verblassen die eigenen Kreationen, weil sie für sie selbst banal wirken, weder erstaunen noch neue Erkenntnisse hervorbringen, sondern bloß das Offensichtliche ansprechen.

Aber das ist ein Denkfehler: Die eigenen Gedanken und Einfälle sind für uns etwas Alltägliches. Es ist uns manchmal gar nicht bewusst, dass andere Menschen einen anderen Background haben und ganz anders denken als wir selbst. Eben weil wir alle unterschiedlich sind, können wir andere Menschen inspirieren und überraschen, auch wenn wir denken, dass alles was wir sagen und erschaffen, banal oder abgedroschen ist.

Was für dich offensichtlich ist, kann für andere erstaunlich sein

Genauso wie wir unseren eigenen Erfolg selbst nur schlecht beurteilen können, sind wir meistens auch nicht gut darin, unsere eigenen Kreationen zu bewerten. Die Lösung ist vermutlich, Dinge einfach zu erschaffen, der Welt zu zeigen und ihr das Urteil über die Qualität zu überlassen.

Natürlich kann man jetzt darauf hinweisen, dass es doch sehr viele Menschen gibt, die einem ihre Erfolge, Leistungen und Werke ständig unter die Nase reiben. Andererseits: Machen diese Leute das nicht auch deshalb, weil sie sich nicht sicher sind, wie groß ihre Leistung tatsächlich war?

Dieser Blogbeitrag wurde inspiriert von diesem Video von Derek Sivers:

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