Ziele setzen und auch wirklich erreichen (mit Gewohnheiten)

Warum ist es so verdammt schwierig, sich Ziele zu setzen und diese dann auch zu erreichen? Wir kennen ja alle das Phänomen der Neujahrsvorsätze: Am Anfang des Jahres wollen wir traditionell alles anders machen und endlich die großen Baustellen unseres Lebens angehen, damit wir reich, schön, erfolgreich, sportlich und selbstverständlich glücklich werden. 

Doch die Euphorie des Jahresanfangs hält meistens nicht lange an: Wir müssen nur die Auslastung der Fitness Studios Anfang Januar mit jener Anfang Februar vergleichen. Nur die wenigsten Vorsätze werden auch wirklich erreicht.

Das Problem ist, dass wir uns zu sehr auf unsere Ziele versteifen, dabei aber darauf vergessen, ein System aufzubauen, das uns beim Erreichen unserer Ziele unterstützt. Viele Produktivitäts-Gurus wie der Autor James Clear meinen sogar, dass das System viel wichtiger ist als das Ziel selbst. 

Ziele setzen oder System entwickeln?

Nachdem ich mich in den letzten 7 Jahren intensiv mit Zielsetzung und Produktivitäts-Systemen auseinandergesetzt habe, bin ich der Meinung, dass beides eine Rolle spielt. Das eine funktioniert nicht ohne dem anderen.

Wir brauchen Ziele, damit wir wissen, was für ein System wir entwickeln müssen. 

Und wir brauchen ein System, damit wir unsere Ziele erreichen können.

Doch was genau meinen wir eigentlich mit System? Ein System sind alle Dinge, die dich täglich dabei unterstützen, deine Ziele zu erreichen. Das können unter anderem Meilensteine, Aufgaben, oder auch Gewohnheiten sein. 

Wichtig ist, dass alle Bereiche deines Systems wie Zahnräder miteinander zusammenspielen. 

Die Meilensteine müssen wirklich Etappen auf dem Weg zu deinem Ziel sein. Die Aufgaben, die du absolvierst, und die Gewohnheiten, die du dir aneignest, müssen dich deinen Zielen tatsächlich näher bringen.

Ein Beispiel: Deine Vision lautet, dass du ein Buch schreiben willst, das sich mindestens 100.000 mal verkauft. Das ist ein nobles Ziel, aber wenn du am Anfang stehst, wird dich die schiere Größe dieser Vision eher abschrecken als motivieren. Denn egal, was du am Anfang auch machst, du wirst dem Erfolg gefühlt nicht näherkommen. Der Traum des Bestsellers bleibt scheinbar immer ein unerreichbares Luftschloss. Vermutlich wirst du sogar immer mehr Schwierigkeiten und Hindernisse entdecken und in der Folge irgendwann deine Ambitionen bleiben lassen. 

Wer Visionen hat, braucht ein System

Anders sieht es jedoch aus, wenn du deine Vision mit einem System verknüpfst.

Die Grundlage jedes Systems sind deine täglichen Gewohnheiten. Das, was du jeden Tag machst, wird dir mit der Zeit immer leichter fallen, unter anderem weil du immer öfters in den Flow-Zustand kommst. Noch besser: Je öfter du eine Sache machst, desto mehr wird sie Teil deiner Identität. 

Wenn du nur das Ziel hast, ein berühmter Autor zu werden, siehst du dich noch lange nicht als Autor. Doch wenn du die Gewohnheit hast, jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern zu schreiben, wird das Schreiben bald wirklich Teil deiner Identität. 

Dann siehst du dich wirklich als Autor. Dein Bestseller ist dann nicht mehr nur ein vager Zukunftstraum, sondern er befindet sich in greifbarer Nähe. Und wenn dich Leute fragen, was du so machst, wirst du nicht antworten “Ich versuche ein Buch zu schreiben”, sondern sagen: “Ich schreibe an einem Buch.”

Die beiden Sätze mögen ähnlich klingen, doch in ihrer Wirkung machen sie einen riesigen Unterschied.

Dir muss auch klar sein, dass du deine Ziele nicht in einem Sprint erreichen kannst. Am Weg zu deiner Vision gilt es, Meilensteine zu erreichen. Viele Meilensteine. Du musst dir daher auch Gedanken darüber machen, was diese Meilensteine sein könnten. Im Falle unseres angehenden Autors, könnten das vielleicht die folgenden Etappen sein:

  • Ein Draft für mein Buch schreiben.
  • Mehr als 100.000 Wörter für mein Buch schreiben.
  • Einen Verleger für mein Buch finden.

Für jede deiner Visionen spielen andere Meilensteine eine Rolle. Denk gut darüber nach, was deine Meilensteine sein könnten und überlege dir auch, mit welchen Aufgaben und Gewohnheiten du diese Meilensteine verknüpfen könntest. 

Gewohnheiten aufzubauen, ist eine Pilgerreise

Überfordere dich mit deinen Gewohnheiten nicht. Wie schon gesagt: Wir laufen hier keinen Sprint, wir absolvieren auch keinen Marathon, wir befinden uns vielmehr auf einer langjährigen Pilgerreise. Wichtig ist, dass du deinem Ziel täglich etwas näher kommst und nicht, dass du gleich am Start all deine Energie verausgabst.

Um Autor zu werden, kann es ausreichen, jeden Tag einfach 100 Wörter zu schreiben. Wenn du das etwas mehr als 2 ½ Jahre machst, hast du ein Skript mit 100.000 Wörtern zusammen. Vermutlich wirst du sogar viel schneller Fortschritte machen: Denn wenn du jeden Tag 100 Wörter schreibst, wirst du nach 100 Tagen vermutlich keine Schwierigkeiten mehr dabei verspüren, das Volumen auf 200 Wörter am Tag zu steigern. Irgendwann wirst du vielleicht wie Stephen King täglich mehrere tausend Wörter am Tag schreiben können, ohne das als anstrengend oder stressig zu empfinden. Denn das Schreiben wird durch die ständige Praxis zu einem Teil deiner Identität geworden sein.

Hättest du hingegen gleich mit tausend Wörtern am Tag angefangen, hättest du vermutlich nicht einmal die ersten 100 Tage durchgehalten. Wenn du dir Gewohnheiten aneignest, musst du ein Volumen wählen, das für dich stemmbar ist. Sonst wirst du eher früher als später das Handtuch werfen.

Das ist wie beim Gewichtheben: Hier wirst du dir beim Bankdrücken auch nicht gleich 100 Kilogramm aufladen. Vielmehr wirst du mit einem Gewicht anfangen, das dich fordert, aber noch stemmbar ist und dich in der Folge langsam steigern, bis du vielleicht einmal wirklich 100 Kilogramm stemmen kannst.

Und das ist auch das Problem mit den Fitness Studios am Jahresanfang: Wenn Sport in deinem Leben noch nie eine Rolle gespielt hat, wirst du dich nach kurzer Zeit überfordert fühlen, wenn du viermal die Woche ins Fitness Studio gehst. Besser wäre es, sich langsam heranzutasten. Einmal die Woche ein Training zu machen und zu versuchen, dieses Pensum langfristig zu steigern.

Viele kleine Schritte in die richtige Richtung, tagtägliche Wiederholungen, haben langfristig größere Auswirkungen als kurze Sprints. Nicht jeder Tag wird gleich erfolgreich sein: Es wird immer wieder Tage geben, an denen du mehr oder weniger von deinen Gewohnheiten umsetzt. Doch wenn du das hier beschriebene System verwirklichst, wirst du deine Vision nie aus den Augen verlieren, weil du immer weißt, auf welcher Etappe deiner Reise du dich gerade befindest. 

Und noch eine Sache: Setze dir nicht nur zum Jahreswechsel Ziele. Das ist zwar besser, als sich nie Ziele zu setzen, aber was hält dich davon ab, andauernd deine Visionen zu definieren sowie die Schritte zu planen, mit denen du sie Realität werden lässt?

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